Welpen alleine lassen: ab wann und wie gewöhnen?

Dana Thimel
  • zertifizierte/r Hundetrainer/in
Veröffentlicht am: 19.01.2024
Aktualisiert am: 23.01.2024

Dein Welpe ist frisch bei dir eingezogen und langsam möchtest du ihn daran gewöhnen, dass er auch mal für einige Augenblicke allein bleibt. Das stellt dich vor große Herausforderungen – wie bringst du deinem Welpen das Alleinsein bei?

In diesem Beitrag erklären wir dir, wie und wann du deinen Welpen allein lassen kannst.

 

Das Wichtigste auf einen Blick

  • In freier Natur überleben Hunde am besten in Gruppen. Sie sind hochgradig soziale Lebewesen – nicht allein bleiben zu wollen ist also ein natürliches Bedürfnis deines Welpen.
  • Bevor du deinen Welpen alleine lässt, muss ein umfassendes Training erfolgen.
  • Beginne mit kleinen Schritten, die du den Welpen bei geöffneter Tür allein im Raum lässt.
  • Erst wenn dein Welpe selbstsicher allein im Zimmer bleibt, kannst du auch für kurze Momente die Wohnung verlassen.
  • Bleibe geduldig und trainiere das Alleinsein mit deinem Welpen in kleinen Schritten, um der Entstehung von Trennungsangst vorzubeugen.
  • Das Training zum Alleinbleiben für Welpen ist vor allem für später gedacht. Erwachsene Hunde können durchaus einige Stunden allein sein – bei Welpen funktioniert das noch nicht.

 

Trennungsangst bei Welpen

In freier Natur wäre ein Hund allein nur schlecht überlebensfähig. In der Gruppe können die Tiere besser überleben – und deswegen ist es ein natürliches Bedürfnis deines Hundes, nicht allein bleiben zu wollen.

Fehlt das Rudel, rufen sich Wölfe, die Vorfahren von Hunden, gegenseitig und geraten in Stress. Ebenso ergeht es vielen unserer Hunde, wenn wir sie allein lassen.

Nicht selten kommt es dann dazu, dass Hunde, wenn sie alleingelassen werden, laut bellen, jaulen oder sogar heulen. Dieser Mechanismus kann als „Rufen nach dem Rudel“ verstanden werden und ist ein Indikator dafür, dass der Hund das Alleinsein nicht richtig gelernt hat.

Aber auch andere Kompensationsmechanismen können zum Vorschein kommen, wenn du deinen Hund zu früh oder ohne Training allein lässt. Manche Tiere neigen dazu, mit Stress und Frust zu reagieren und zerstören Gegenstände, beispielsweise Möbelstücke.

Da es sich bei der Trennungsangst um einen ganz natürlichen Instinkt handelt, erfordert das Training viel Geduld und Ausdauer. Um die Ängste deines Hundes nicht zu verschlimmern, solltest du behutsam und in kleinen Schritten vorgehen. So zeigst du deinem Welpen spielerisch, dass es nicht schlimm ist, auch mal allein zu bleiben.

 

Ab wann darf ich meinen Welpen allein lassen?

Nachdem dein Welpe bei dir eingezogen ist, solltest du ihm zunächst ein paar Tage Ruhe gönnen, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. In dieser Zeit geht es vor allem darum, Vertrauen zueinander aufzubauen – daher solltest du deinen Welpen nicht gleich zu Beginn allein lassen.

Es gibt keine „goldene Regel“, die klar festlegt, welcher Zeitpunkt für den Trainingsbeginn geeignet ist. Wenn du feststellst, dass sich dein Welpe an die neue Umgebung gewöhnt und Vertrauen zu dir aufgebaut hat, kannst du langsam mit dem Training beginnen.

Dazu verlässt du nicht gleich für mehrere Stunden das Haus. Gehe behutsam vor und beginne damit, den Welpen für ein paar Augenblicke allein im Raum zu lassen.

 

Welpen ans Alleinsein gewöhnen

Die Grundlage, um deinen Welpen allein lassen zu können, ist immer das Vertrauen. In den ersten Tagen nach dem Einzug des Welpen solltest du daher sehr viel mit ihm spielen und ihn so an die neue Umgebung und an dich – gewöhnen.

Erst dann beginnst du mit dem Training. Dabei lässt du deinen Hund nicht gleich für mehrere Stunden allein und fährst erstmal zur Arbeit. Damit dein Welpe keine Trennungsangst entwickelt, gehe behutsam und Schritt für Schritt vor. Falls es nicht anders geht, sollte eine andere Person auf deinen Welpen aufpassen.

 

Die ersten Übungen zum Alleinbleiben

Wenn du deinen Welpen ans Alleinsein gewöhnen möchtest, verlasse nicht gleich das Haus. Wenn du plötzlich weg bist, kann schnell eine intensive Trennungsangst und im schlimmsten Fall sogar eine Trennungspanik entstehen. Diese wieder weg zu trainieren ist eine echte Herausforderung.

 

Schritt 1: Für einige Momente allein im Zimmer lassen

Im ersten Schritt solltest du damit beginnen, deinen Welpen für einige Minuten allein im Raum zu lassen. Vielleicht ist dir schon aufgefallen, dass dein Hund dir auf Schritt und Tritt folgt. Vor allem in jungen Lebenswochen ist das noch vollkommen normal.

Ziel ist es, diesen Folgetrieb zuhause zu unterbinden. Gib deinem Welpen zu Beginn auf seinem Platz etwas ungefährliches zu kauen, wenn du kurz den Raum verlässt. Eine gute Variante, um deinen Welpen in diesen Zeiten zu beschäftigen, ist der Kong. Fülle ihn mit etwas Schmackhaftem. So lernt er schnell, dass dein Weggehen etwas Positives bedeutet.

Schicke ihn zurück, wenn er dir nachlaufen möchte. Achte darauf, nicht gleich zu Beginn des Trainings die Türe zu verschließen. So kann er dich noch hören.

Im Anschluss kehrst du ohne großen Trubel zurück. So gewöhnt er sich daran, dass du mal kurz verschwindest, aber immer wieder zurückkommst. Diese Ablenkung wirst du nicht dauerhaft benötigen, wenn sich dein Welpe an die Momente des Alleinseins gewöhnt hat.

 

Schritt 2: Für einen kurzen Moment das Haus verlassen

Wenn dein Welpe keine Probleme mehr damit hat, für einige Momente allein im Raum zu bleiben, kannst du den nächsten Schritt wagen.

Gehe dazu für einen Moment aus dem Haus – zum Beispiel, um Müll runterzubringen. Dabei lässt du deinen Welpen ebenfalls mit Beschäftigung allein. Kehrst du zurück, verhältst du dich wie im ersten Schritt. Bleibe unaufgeregt, als wäre nichts gewesen.

Wenn du feststellst, dass der Welpe in der Situation entspannt bleibt, kannst du die Zeiträume langsam steigern. Sobald du jedoch merkst, dass dein Hund nervös wird, gehe wieder einige Schritte zurück.

 

Schritt 3: Hundesitter

Wenn du mal etwas länger das Haus verlassen musst, kann es auch ratsam sein, den Hund zunächst an einen Hundesitter zu gewöhnen. Eventuell hast du auch einen Freund oder eine Freundin, die dir hilft. So ist er zwar nicht ganz alleine, lernt aber, dass seine Bezugsperson auch mal fehlt. Das ist ein schonender Übergang zum richtigen Alleinbleiben.

Auch dies kann dabei helfen, das Alleinsein zu trainieren, da der Welpe weniger von dir abhängig ist und schafft damit eine gute Grundlage für das weitere Training.

 

Beschäftigung beim Alleinsein für den Welpen

Beim Alleinsein hilft es, wenn der Hund zuvor beschäftigt wurde. Dafür bieten sich mehrere Möglichkeiten an. Es ist sinnvoll, den Hund zunächst müde zu machen, ehe du ihn allein lässt. Spiele dafür mit ihm oder gehe eine kurze Runde raus.

Im Anschluss kannst du ihm etwas Alternatives zur Unterhaltung anbieten, damit der Fokus nicht so sehr auf dich gerichtet ist. Hier bieten sich verschiedene Möglichkeiten an:

  • Kauknochen
  • Kong mit Leberwurst
  • Rätsel- und Suchspiele mit Leckerchen

Je mehr dein Hund abgelenkt ist, desto weniger wird er deine Abwesenheit bemerken. Achte aber darauf, dass dein junger Hund sich an den Spielzeugen nicht verschlucken oder verletzen kann!

Tipp: Eine Live-Kamera kann helfen, das Verhalten deines Welpen auch außerhalb des Raumes zu beobachten. So kannst du prüfen, ob dein Hund entspannt bleibt und sich mit seiner Beschäftigung befasst oder nervös wird.

Sobald du Nervosität feststellst, warst du schon etwas zu lange weg. Verkürze beim nächsten Mal den Zeitraum, den du den Raum verlässt. Manchmal sind es aber auch nur kurze Momente des Unwohlseins und danach entspannt sich dein Hund. Das ist je nach Hund unterschiedlich.

 

Was tun, wenn der Welpe nicht allein bleiben mag?

Hunde haben unterschiedliche Charaktere. Während sich ein selbstsicherer Hund meist schnell ans Alleinsein gewöhnt, brauchen unsichere Welpen etwas länger. Stellst du fest, dass dein Welpe allein nervös wird oder nach dir ruft, gehe noch einmal ein paar Schritte im Training zurück.

Negativerfahrungen sollten beim Training bestmöglich vermieden werden. Je häufiger solche Negativerfahrungen stattfinden, desto größer ist das Risiko, dass dein Hund eine anhaltende Trennungsangst entwickelt.

Trainiere das Alleinsein mit deinem Welpen daher sehr behutsam. Wenn der Hund länger braucht, bleibe geduldig und beginne von vorn, indem du zunächst wieder nur den Raum, aber nicht gleich die Wohnung verlässt.

Tipp: Wenn du bei deinem Welpen eine starke Trennungsangst feststellst, arbeite unbedingt mit einem kompetenten Hundetrainer zusammen.

 

Wie lange darf ein Welpe allein sein?

Grundsätzlich sollten Welpen wenig allein gelassen werden. Abgesehen davon, dass sie sich in deiner Nähe viel wohler fühlen, als alleine, können sich junge und unbeobachtete Hunde schnell in Gefahr bringen. Gerade in den ersten Monaten sollte daher immer jemand ein Auge auf den Welpen haben.

Steigere die Zeit dann langsam, in der dein Welpe allein bleiben soll. Ein intensives Training mit viel Zeit und Geduld ist die Grundlage, um Trennungsangst zu vermeiden und deinem Hund unnötigen Stress zu ersparen.

Ebenso wenig ist es eine gute Idee, die ersten sechs Monate Urlaub zu nehmen und diese tagtäglich mit deinem Welpen zu verbringen, um dann plötzlich wieder arbeiten zu gehen. Ohne Training ist diese Umstellung für viele junge Hunde sehr schwierig.

In vielen Fällen ist das Alleinsein selbst für den Welpen gar nicht so sehr das Problem. Vielen Hunden fällt eher das Verabschieden schwer, also der Moment, in dem Herrchen oder Frauchen sich sichtbar vom Welpen entfernen und er nicht mit kann. Wenn dieser Moment für den Welpen durch intensives Training unproblematisch wird, gelingt später auch das Alleinsein besser.Dana Thimel, zertifizierte Hundetrainerin

 

Häufige Fragen

 

Warum ist es wichtig, den Welpen ans Alleinsein zu gewöhnen?

Früher oder später lässt es sich kaum vermeiden, dass man auch mal ohne den Welpen das Haus verlassen muss. Bevor diese Situation eintritt, ist ein intensives Training erforderlich, um einer Trennungsangst vorzubeugen.

 

Hilft eine Hundekamera, wenn ich meinen Welpen kurz allein lassen möchte?

Eine Hundekamera kann dabei helfen, wenn du deinen Welpen für einen kurzen Moment allein lassen möchtest. So hast du deinen Hund im Blick und merkst rechtzeitig, wenn er nervös wird. So lassen sich die Trainingseinheiten zeitlich anpassen und du kannst eingreifen, bevor sich eine Trennungsangst entwickelt.

 

Der Welpe macht in die Wohnung, wenn er für einen Moment allein ist – was tun?

Bevor du deinen Hund für das Training allein lässt, solltest du ihm die Möglichkeit geben, sich draußen zu lösen. Erst wenn das geschehen ist, solltest du deinen Welpen kurz allein lassen. Das Entleeren der Blase kann entweder aus der Not heraus vorkommen, oder vor lauter Stress. Beides ist keine gute Trainingsgrundlage und sollte vermieden werden. Achte daher im Training immer darauf, dass die Grundbedürfnisse deines Welpen befriedigt sind und du kleine Trainingsschritte machst.

 

Darf ich meinen Welpen in der Box allein lassen?

Du kannst die Hundebox als Rückzugsort anbieten, wenn du deinen Welpen für das Training allein lässt. Dafür sollte die Box aber geöffnet bleiben! Verlässt du nur den Raum, kannst du die Box dafür auch schließen und ihm hier wieder etwas zum Knabbern anbieten. Die räumliche Begrenzung hilft vielen Welpen dabei, sich zu entspannen, obwohl man mal den Raum verlässt. Lasse deinen Hund nicht direkt aus der Box, wenn du zurückkommst.

Ist dein Welpe unruhig und weint während der Übung? Lasse ihn nicht aus der Box, setze dich aber ganz nah dazu und warte, bis er sich beruhigt hat. Du kannst auch eine Hand in die Box halten. Dadurch bist du konsequent in deiner Handlung, aber dennoch unterstützend für ihn da.

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  1. Hallo! Ich habe eine bald 5 Jahre alte Podenco Dame, welche ich mit 1 ½ Jahre aus dem Tierschutz geholt habe. Seitdem ich sie habe versuche ich das allein sein zu trainieren. Manchmal gehen ohne Probleme 4 Stunden und manchmal verlasse ich die Wohnung und nach 10min fängt sie an zu heulen und suchen. Sie hat zwar einen sehr dominanten Charakter aber zugleich ist sie auch sehr unsicher. Wir könnte ich mit ihr am besten trainieren? Gibt es die Möglichkeit über die DogUniversity einen Onlinetrainer zu konsultieren?
    Lg Sebastian

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Über Dana Thimel


Hallo, mein Name ist Dana Thimel, meine Leidenschaft für Hunde zeichnete sich bereits in jungen Jahren ab und zieht sich bis heute wie ein roter Faden sowohl durch mein berufliches, als auch mein privates Leben. Aktuell lebe ich mit meiner belgischen Schäferhündin Ava und meinem Chihuahua Keeva zusammen in NRW. Mein Wissen im Umgang mit Hunden beruht auf mehr als 10 Jahren praktischer Erfahrung im Hundetraining. Zudem habe ich 2016 mein Tierpsychologiestudium mit dem Schwerpunkt Hund, sowie 2019 den IHK Lehrgang zum Hundeerzieher und Verhaltensberater abgeschlossen.

Mein Fokus im Hundetraining liegt darauf, eine gemeinsame Kommunikationsbasis zu schaffen und den Mensch-Hund-Teams dabei zu helfen, sich zusammen zu entwickeln, Missverständnissen keinen Raum zu geben und in erster Linie: jede Menge Spaß miteinander zu haben.

Neben den Erziehungsstunden schlägt mein Herz für die vielfältigen Möglichkeiten den Hund mit Spaß und Freude auszulasten. Dazu zählt zum einen Trickdog, aber ganz besonders Curving – eine Sportart, die ich 2017 ins Leben gerufen habe.

Dana Thimel